Meine unkonventionelle Fertigungstechnik habe ich um zwei einfache Verfahren erweitert:


Folieren

 und

Trocken-Kleben



Folieren:

Große glatte Flächen werden nicht aufwendig wetterfest lackiert, sondern einfach mit Autofolie ("outdoor quality") überzogen. Das ist ein preiswerte, präzise und sehr saubere „Lackierung“. Sollten mal Beschädigungen auftreten, so sind sie durch Überkleben neuer Folienstücke umgehend in derselben Farbe repariert.

Trocken-Kleben:

Glatte Oberflächen (Sichtseite von Autofolie, Glas, Metall, Magnete, viele Kunststoffe inkl. PVC und Styropor) werden mit doppelseitigem Klebeband (permanent, extra stark) verbunden. Dies ersetzt den Einsatz vieler spezieller Kleber. Die Verbindungen sind präzise und ohne Zeitdruck herzustellen, haben die volle Haftkraft sofort nach dem Andrücken und sind erstaunlich dauerhaft. Eine Weiterentwicklung ist Klebepapier, sh. weiter unten.

Beispiele:   blau-schwarz-weiß folierte Türe                                               Stirnwand des "Jubiläumswagens"
                     (Vorder- und Rückseite)                                     Die Holzmaserung der Sperrholz-Bohlen bleibt erhalten                                        

 





Foliertes abnehmbares Dach beim Jubiläumswagen


Details:

Autofolie gibt es in vielen Farben als Reste bei Werbefirmen, die Autos beschriften. Die Reste erhalte ich gegen einen Obulus in die Kaffee-Kasse.

Auf Lacke und Autofolie haftet Autofolie flächig. Bei anderem Trägermaterial, z. B. Papierkarton, sollten die Kanten der Trägerfläche mit Autofolie ummantelt werden:
   + Dann sieht man die Schnittfläche des Trägers nicht
   + Feuchtigkeit dringt nicht in das Trägermaterial ein
   + Wettereinflüsse und mechanische Beanspruchungen lösen die Folienkanten nicht ab.
Die Autofolie muß rundum fest auf den Träger „aufgerubbelt“ werden.

Das Folieren geschieht wechselseitig mit dem Papierzuschnitt.

Die Ummantelung erfordert konstruktiv, daß Folienoberflächen aufeinander geklebt werden müssen. Dies geschieht mit doppelseitigem Klebeband. Ich verwende TESA-Teppichband, extra stark, permanent. Beim Abrollen des Teppichbandes muß die offene Haftfläche sofort sauber mit einer Schutzfolie abgedeckt werden, um Verschmutzungen der Klebefläche zu verhindern. Als Schutzfolie nehme ich entweder das Schutzpapier verbrauchter Autofolie oder das Wachs-Papier des Teppichbandes aus früheren Zuschnitten.

Die Klebeflecke werden mit dem Cutter zugeschnitten. Die Schutzfolie wird unmittelbar vor dem Aufkleben mit einer Pinzette abgezogen. Die Klebeverbindungen werden ebenfalls fest „angerubbelt“. Wird eine Verklebung geändert, muß das doppelseitige Klebeband ganz erneuert werden. Dabei kann eine Papieroberfläche aufreißen.

Herstellungsschritte einer Papier-Außenwand:

Das wechselseitige Arbeiten mit Papier, Folie und Klebeband zeige ich am Beispiel einer Abteil-Außenwand für den „Jubiläumswagen“ BCPwPost4i. In die Abteil-Außenwand sind magnetisch verschiebbare Fenster eingebaut.

Als erstes wird die Papierwand geschnitten und alle Kanten gefalzt. Knicke und verklebtes Papier versteifen Flächen überproportional.





Papier–Außenwand

aus Zeichenkarton 250g/m²

mit 2 Fensterführungen 15,5 mm x 78 mm

Papier-Rohmaß mit allen Falzen 108 x 78 mm²

mit Cutter geschnitten

alle Kanten gefalzt (Falze zurückgebogen)

Die innen liegenden Falze und der Dachfalz werden mit Ponal auf der Rückseite der Papier-Außenwand verklebt. Die Abteilaußenwand wird dadurch zweilagig.









Diese Papierwand wird außen mit grüner Autofolie überzogen. Die Folie wird ca. 4 mm breiter geschnitten als die sichtbare Außenfläche der Abteilwand. Damit wird verhindert, daß die Folie sich an den Kanten ablöst und die Papierschicht durch Feuchtigkeit aufquillt.






Folien-Zuschnitt



grüne Foliengröße: 108 x 70 mm²
weiße Foliengröße:  44 x 50 mm²

Um weiße Fensterrahmen zu erhalten, wird auf die grüne Folie ein Stück weiße Folie aufgeklebt. Der grün-weiße Folienverbund wird im nächsten Schritt gemeinsam mit dem Cutter geschnitten.

Die Papier-Außenwand wird mit der Folie überzogen und zwar so, daß alle Kanten ummantelt sind.

Im Foto ist die Lage der Papier-Außenwand wie bei einem Röntgenbild eingeblendet.












So sieht dann die Rückseite der Papier-Außenwand (=Wagen-Innenseite) aus:





Rückseite Papier-Außenwand


Die Papier-Innenfalze sind auf der Rückwand angeleimt,
Ausnahme Dachfalz rechts oben im Bild

Die grün weiße Folie auf der Vorderseite ist schon verklebt ("aufgerubbelt")
 
rechte Bildhälfte:
Folie von hinten (Haftseite) freihändig mit Cutter ausgeschnitten

linke Bildhälfte:
Folienkanten umgebördelt und fest auf das Papier „aufgerubbelt“

Oben links im Foto sieht man den weißen umgebördelten
Fensterrahmen der Vorderseite.










Im nächsten Schritt wird eine schwarze Fensterumrandung gefertigt, die der Außenwand Struktur verleiht. Diese wird im Trocken-Klebe-Verfahren mit doppelt klebendem Teppichband (permanent, extra stark) auf die Folie der Abteil-Außenwand befestigt. Für den Zuschnitt des Klebebandes werden die Haftflächen mit einer Schutzfolie abgedeckt, die erst unmittelbar vor der Verklebung abgezogen wird.




Zuschnitte Fensterumrandung (Rahmen)


weiß: Papierschnitt
Zeichenkarton, zweilagig verklebt
52 x 46 mm²

schwarz: Folienschnitt, rundum 4 mm größer










Der Papierrahmen wird vorne und hinten vollkommen mit Folie überzogen


Rückseite Fensterumrandung

Die Vorderseite ist bereits mit schwarzer Folie überzogen.

rechts: Folienschnitt von der Haftseite aus,
freihändig mit Cutter

links: Folie bereits umgebördelt und aufgerubbelt

Die schwarze Fensterumrandung wird auf die grüne Folie der Abteil-Außenwand mit doppelseitigem Klebeband aufgeklebt

braun: Drei vertikale Klebestreifen
(links bereits aufgeklebt, Mitte und  rechts: Zuschnitt)
mit brauner Schutzfolie auf den Haftflächen



Unter der Fensterumrandung wird bündig ein Blendrahmen geklebt. Dieser verdeckt den Hebemagnet, mit dem das Fenster von außen mit einem Hebestift rauf und runter geschoben wird.


Zuschnitte Blendrahmen


weiß: Papierschnitt ,
Zeichenkarton, einlagig
52 x 46 mm²

grün: Folienzuschnitt, rundum 4 mm größer

Der Blendrahmen wird vorne vollkommen mit Folie überzogen,
auf der Rückseite wird die Folie ca. 4 mm umgebördelt.








Rückseite Blendrahmen


Die Vorderseite ist bereits mit grüner Folie überzogen

Falze rechts und unten: freihändiger Folienschnitt

Ränder links und oben: Folie bereits umgebördelt und aufgerubbelt

Der Blendrahmen wird auf die grüne Folie der Abteil-Außenwand mit doppelseitigem Klebeband aufgeklebt. Links und in der Mitte sind die Klebestreifen bereits aufgeklebt.

braun: Zuschnitt der drei Klebestreifen,
mit Schutzfolie auf den Haftflächen




Nun werden zwei verschiebbare Fenster hergestellt. Sie haften mit zwei vertikalen Eisenblech-Streifen auf Magnetbändern, die die Funktion der Fensterführung übernehmen. Um die Fenster magnetisch von außen verschieben zu können, wird ein Hochleistungsmagnet mit dem Südpol auf die Glasscheibe geklebt.

Einzelteile eines Fensters (auf rosa Kontrastpapier)

Glas: Echtglas aus Diarahmen 49 x 19 mm²

Fensterrand: weißer Zeichenkarton 49 x 26 mm²
U-förmig, mit Fensterausschnitt 40 mm x 15 mm

Fensterführung: 2 Eisenblechstreifen 40 x 3 mm²
werden auf Fensterrand bündig zum Glas angebracht

Fensterrand, Glas und Eisenstreifen werden mit doppelseitigem Klebeband verbunden,
braun: Klebebandzuschnitte mit Schutzfolie

1 Fenster-Hebemagnet NdFeB, D=4 mm, h=1,5mm
wird mit Klebeband auf dem Glas befestigt

                                                                                                    obere Fensterkante: weiße Autofolie 4 x 15 mm² wird
                                                                                                    U-förmig über die obere Glaskante geklebt

Das nächste Foto zeigt den Zusammenbau des Fensters. Hier wird konsequent das Trockenklebe-Verfahren angewendet.



Vorder- und Rückseite eines Fensters


links: Papierseite vom Wageninnern aus gesehen

rechts: Sichtseite von außen
mit seitlichen Eisenblech-Streifen, die magnetisch auf den Gleitbändern der Abteil-Außenwand haften

Der Fenster-Hebemagnet wird zusätzlich mit einem Stück Autofolie überklebt, unten rechts im Bild.
Nur so widersteht er der magnetischen Anziehungskraft des hölzernen Hebestiftes




Es beginnt die Montage der Fenster. Entlang der Fensterausschnitte in der Abteil-Außenwand werden selbstklebende magnetische Gleitbänder angeklebt.




Komplette Abteil-Außenwand,

vom Wageninnern her gesehen

Die Fenster haften an selbstklebendem Magnetband-Streifen auf der Abteilwand, sh. linke Bildhälfte

Lieferant des Magnetbandes:
selbstklebende Magnetfolie 200, Fa. Schallenkammer
geschnitten mit Papiercutter auf
1 Stck. 78 mm x 8 mm x 1,1 mm (Mitte)
2 Stck. 78 mm x 4 mm x 1,1 mm  Seiten)

An den strich-punktierten Flächen wird die Abteilwand mit Holzleim am Wagenchassis angeleimt.














Hebestift


Mit dem handlichen Hebestift wird durch den Blendrahmen hindurch das Fenster magnetisch rauf- und runtergeschoben wird (Gegenstück zum Hebemagneten auf dem Glas).







Das letzte Bild zeigt die fertige Abteil-Außenwand von vorne, eingeklebt im Wagenchassis.



Abteil-Außenwand

eingebaut in Wagenchassis

Das magnetisch haftende Wagendach ist abgenommen. Man sieht oben im Bild noch das Magnetband.

Die Abteil-Außenwand wurde noch mit Text und Wappen geschmückt. Diese Fotos haften mit doppelt klebendem Teppichband auf der grünen Autofolie. Für den Outdoor-Betrieb müssen dokumentenechte Fotos verwendet werden.

Weiterhin wurde noch eine schwarze Fensterbank unter der schwarzen Fensterumrandung angeklebt. Dadurch wird die Abteil-Außenwand noch plastischer.

Hinter dem Glas:
Reisende,
magnetisch haftend auf Eisenblechboden,
links lächend Bildnis des Autors





Sie möchten den Personen-Pack-Postwagen sehen, in dem diese Abteil-Außenwand verbaut ist?    hier klicken

Sie möchten das hölzerne Wagenchassis sehen, an dem die Papierwände eingeklebt werden?        hier klicken




Klebepapier                          Eine andere sehr nützliche Anwendung                 
für das Anzeichnen und Aussägen von Kunststoff- und Metallprofilen
sowie für das Befestigen von Anbauteilen mit Holzleim

Das Anzeichnen der Umrisse auf PVC- und Metall-Flächen mit Bleistift, Folienstift oder einer Reißnadel ist ungenau und läßt sich nur schwer korrigieren. Beim Sägen/Ausschneiden sind die Linien meist nicht gut zu sehen und können verwischen. Das Arbeiten mit selbstgefertigtem Klebepapier schafft Abhilfe: Das auszusägende Profil wird mit feinem Bleistift auf Zeichenkarton (Wagenbau-Papier) aufgezeichnet. Dann wird das Papier einseitig mit dem beschriebenen doppelt klebendem Teppichband beschichtet und kantengenau auf die Kunststoff-bzw. Metallflächen übertragen und „festgerubbelt“. Jetzt kann man nicht nur beim Sägen die Kanten gut sehen. Insbesondere lassen sich auf dem Papier mit Holzleim problemlos Ausrüstungs- und Anbauteile aufkleben. Beispielhaft zeige ich das Fahrchassis eines Drehschemel-Langholz-Wagens.


Zwei schwarze PVC-Winkelprofile (mit  exakt gebohrten Achslöchern) sind mit vier Holzschrauben an dem Wagenboden befestigt. Die Drehgestell-Wangen wurden mit extrem haftendem Klebepapier beschichtet und mit der Laubsäge ausgesägt. Das linke Foto zeigt diese Arbeitsvorgänge im Rohbau, die PVC-Kanten sind nicht geglättet (gefeilt).

Im folgenden Bild sieht man den fertigen Drehschemelwagen. Das Klebepapier dient als Träger für die mit Holzleim aufgeklebten Achsattrappen, Lagerbüchsen und Blattfedern.

Details sind der Bauanleitung "Historischer Holzzug" zu entnehmen, die über
-> Bildergalerie, -> Güterwagen NWE 812 heruntergeladen werden kann.


Meine Erfahrungen und das Wissen über Folieren/Trockenkleben wurde in die neue Auflage der Bauanleitung "Wagen und Loks für Gartenbahnen aus Papier"  eingearbeitet.



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